Besuch DSIËN & ALEXIUSSTIEGE von Ralf Schmitt

27. Dezember 2017, 14 Uhr

Vielen Dank an den Künstler und BAI Kodirektor Ralf Schmitt für die Einführung für unsere TeilnehmerInnen in die Konzeption und Genese seiner permanenten Installationen „DSIËN – DIE ENTWICKLUNG (allmählicher Fortschritt)“ vor dem Haupteingang und „Alexiusstiege“ in den Treppenabsätzen des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee.

Ort: Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee
Adresse: Gartenstr.1, 13088 Berlin

„Die Konzeption der Feng Shui-Wand für das Fachkrankenhaus für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie in Weißensee beruht auf dem Hexagramm dsiën /Die Entwicklung (Nr. 53) aus dem Haus des Stillehaltens aus dem I-Ging, dem sog. Buch der Wandlungen. Eine Wand zu stellen vor einen Eingang, das erinnert an die chinesische Hofhaustypologie, das Chi zu lenken an Feng Shui-Meister, Gesundheit und Architektur, z.B. Norman Foster und Steven Holl, an Tao, Yin und Yang und die 8 Trigramme, u.a. studiert von Konfuzius, Wang Pi, Jesuitenpater Bouvet/Leibnitz, C. G. Jung …

Das Hexagramm setzt sich zusammen aus folgenden zwei Trigrammen:
oben: aus Sun, das Sanfte, eindringend, der Wind, das Holz
unten: aus Gen, das Stillehalten, ruhend, der Berg

Die einzelnen Linien aus spiegelndem/entspiegeltem grünen Glas haben alle den all mählichen Zug der Wildgans zum Bild. An der Rückseite der punktgehaltenen Glaswand sind Neonwörter montiert (von unten nach oben: dem Ufer, dem Felsen, dem Baume, dem Gipfel, den Wolkenhöhen), über dem Durchgang steht mittig der Satz: Die Wildgans zieht allmählich der Hochebene zu.

Alternierend leuchtet immer nur eine Satzkombination auf; die gedimmte Schaltung ist so angelegt, daß langsam eine Position verschwindet und die nächste erleuchtet; die jeweilige Satzkombination steht ca. eine Minute lang, so daß ein kontemplativer Eindruck entsteht im allmählichen Durchfliegen der Wand durch Licht und (W)ort. Gleichzeitig entspricht diese poetische Metapher menschlicher Entwicklung und Befindlichkeit exakt der literarischen Besprechung der einzelnen Linien des Hexagrammes.

Durchschreitet man dann die Feng Shui-Wand, den Windfang und das Foyer, beginnt das sich über alle Etagen erstreckende neue Treppenhaus. Aus den 4 Hohlräumen in den 2 Treppenabsätzen leuchten Großdias, die jeweils 2 Szenen aus dem Leben des Heiligen Alexius zeigen, entnommen aus einer ungarischen Bilderchronik, dem Anjou- Legendarium aus dem 14. Jahrhundert.

Bei Treppenbegehung kann man sich dann diese 8 farbigen Miniaturen erlaufen und sie jeweils aus der Untersicht wie ein illuminiertes Deckenfresko betrachten. Die Darstellungen basieren hauptsächlich auf der Erzählung in der Legenda aurea des Jacobus de Voragine. Der Heiligenlegende nach kehrte Alexius, nachdem er 17 Jahre lang Gott und den Armen in Edessa gedient hatte, zurück in sein Vaterhaus, wo er unerkannt 17 Jahre auf seinem Lager unter der Treppe lebte, bevor er verstarb. Ikonographisch wird er deshalb oft mit oder unter einer Treppe abgebildet.“ (Text: Courtesy Ralf Schmitt)

2018-09-14T14:02:01+00:00